·

02.01.2026 Fellbacher Zeitung Wenn andere feiern, retten sie leben

Fellbach & Rems-Murr-Kreis von Frank Rodenhausen 117 Einsätze und keine Pause: Wie die Rettungskräfte die Silvesternacht im Rems-Murr-Kreis gemeistert haben.

Rems-Murr-Kreis. Wenn allenthalben die Sektkorken knallen, steht beim Roten Kreuz keiner still. Die Silvesternacht 2025/26 war im Rems-Murr-Kreis nicht nur laut, sondern auch arbeitsreich. Während viele ausgelassen feierten, rückten Rettungswagen, Notärzte und Feuerwehr zu insgesamt 117 Einsätzen aus – etwas weniger als im Vorjahr. „Es war eine lebhafte Nacht“, lautet das Fazit des DRK-Kreisverbands Rems-Murr. Die Bilanz sieht so aus: 68 Mal mussten die Notfallretter ausrücken, oft wegen Kreislaufproblemen oder Atemnot – später kamen alkoholbedingte Stürze und Verbrennungen hinzu. Die Feuerwehr kämpfte bei 49 Einsätzen gegen Hecken- und Mülleimerbrände, meist ausgelöst durch unsachgemäß gezündete Böller. In Weissach im Tal etwa verhinderten Ehrenamtliche das Übergreifen eines Schuppenbrands auf ein Wohnhaus.

Was viele nicht wissen: Die Integrierte Leitstelle arbeitet in dieser Nacht mit regulärer Besetzung. „Vier Mitarbeiter waren im Einsatz, weitere hätten jederzeit hinzukommen können“, so das DRK. Ein Sonderprogramm? Fehlanzeige. Dass trotzdem alles funktioniert, liegt am Rückgrat der Rettung: dem Ehrenamt.

Von Backnang bis Spiegelberg standen zehn zusätzliche Fahrzeuge bereit, besetzt mit freiwilligen Sanitätern. Die Ortsvereine feiern häufig gemeinsam, mit Funkgerät und Blaulicht in Reichweite. Ab 20 Uhr am Silvesterabend bis 3 Uhr früh hielten sie sich einsatzbereit.

Ein Zimmerbrand in Winnenden gegen 0.21 Uhr – Fehlalarm. Doch kurz danach wurde es ernst: In der Morgendämmerung kam es zu einer Reanimation. Ehrenamtliche
Ersthelfer waren unter den ersten vor Ort, alarmiert über die App „Corhelper“. Die Zusammenarbeit mit den Profis klappte reibungslos, wie ein Mitarbeiter der Leitstelle
betont.

Auch der Krankentransportwagen war 19 Mal unterwegs. Der Regelrettungsdienst absolvierte 42 Fahrten, sieben Mal kam zusätzlich ein Notarzt – oft dann, wenn die Minuten über Leben oder Tod entscheiden. „Ohne die Ehrenamtlichen wären solche Spitzenzeiten nicht zu bewältigen“, heißt es aus der Kreisbereitschaftsleitung.

Was in dieser Nacht zählt, ist die Bereitschaft, da zu sein. Ohne Dienstplan. Ohne Zwang. Nur mit dem festen Willen, zu helfen. „Es gibt keine Vorschrift, dass  ehrenamtliche an Silvester bereitstehen müssen“, betont das DRK. Dass es trotzdem so viele tun, ist ein starkes Zeichen – für Solidarität, für Engagement, für gelebte Mitmenschlichkeit. Der DRK-Kreisverband Rems-Murr dankt allen Haupt- und Ehrenamtlichen, den Freiwilligen Feuerwehren und allen Hilfsorganisationen – für eine Silvesternacht, die sicherer war, weil Menschen bereit waren, ihre Zeit zu schenken.

Unterstützen Sie jetzt ein Hilfsprojekt mit Ihrer Spende